Festvortrag von Präsidentin von der Leyen beim Gedenksymposium für Professor Schwartz

Liebe Frau Präsidentin Hilfiker-Kleiner,

liebe Frau Professor Walter,

liebe Alumni,

sehr geehrte Damen und Herren,

Friedrich Wilhelm Schwartz war ein Visionär. Einer, der das „Noch nicht Gedachte“ - dachte. Der Wege bahnte, wo nur Dickicht war. Das strahlte er als Professor, als Lehrer, als Mentor aus. Viele von Ihnen, von Euch, erinnern sich sicher daran.

Wenn ich an meine Public Health Studienzeit bei ihm zurückdenke, fällt mir eine besondere Begebenheit ein. Ich hatte damals ein kleines, allerdings im wahrsten Sinne des Wortes wachsendes Problem: Ich war mit einem meiner Kinder schwanger, musste aber für das Studium ein gut dreimonatiges Praktikum machen – ausgerechnet im Zeitraum rund um den Geburtstermin. Ich war zwar daran gewöhnt, vieles zu stemmen. Aber das nicht – ich wollte aufgeben und um ein Jahr verschieben. Aber nicht Professor Schwartz. Er war wie immer seiner Zeit voraus. Er bot mir ein Praktikum in einem Forschungsprojekt an – vom Computer aus, um mit anderen europäischen Universitäten und Kanada den Aufbau eines webbasierten Seminars zu erproben. Das klingt heute total banal. Aber das war Mitte der Neunziger. Da war das Internet für die allermeisten Menschen noch wirklich Neuland. Für Professor Schwartz jedoch nicht. Er dachte mit, er dachte voraus. Er wollte Probleme lösen – pragmatisch und unprätentiös. Und seien es die Probleme einer einfachen Studentin. Und es hat geklappt. Ich habe das Praktikum remote gemacht. Das Kind ist gleichzeitig heile auf die Welt gekommen.

Das ist eine von vielen kleinen Erinnerungen an diesen beeindruckenden Mann. Seine Leistungen reichen natürlich weit darüber hinaus. Er war Wegbereiter der Sozialmedizin und von Public Health. Ein Reformer im Gesundheitswesen. Ein Innovator. Ich möchte gar nicht wiederholen, was Sie, liebe Frau Walter, gerade beschrieben haben. Was ich aber herausstreichen will, ist, wie sehr ethische und soziale Überzeugungen Professor Schwartz leiteten. Für ihn stand immer die Gesundheit der Bevölkerung durch gute Versorgung und gute Prävention im Mittelpunkt. Auf der Grundlage von Vernunft und Evidenz. Er war davon überzeugt, dass jedes individuelle Leben zählt. Dass alle Menschen die gleichen Chancen auf ein gesundes Leben haben müssen. Auf Würde, auf Sicherheit. Und dass man deshalb besonders die in den Blick nehmen soll, die es schwerer haben als andere. Das war für ihn eine Frage der Gerechtigkeit.  

Meine Damen und Herren,

Professor Schwartz hat mein Leben auf eine Weise geprägt, die ich mir damals nicht hätte vorstellen können. Ich wäre nicht einmal im Traum darauf gekommen, dass ich 25 Jahre später eine globale Pandemie erleben würde – in der Realität, nicht in einem Lehrbuch für Public Health. Und dass ich mit verantwortlich dafür sein würde, dass Europa diese Krise meistert. Professor Schwartz war dabei ein Vorbild, und er ist es heute weiter – gerade in Zeiten wie diesen.

Denn, meine Damen und Herren, wir sind in einer entscheidenden Phase. Seit der Aufklärung hat uns eines immer angetrieben: das Streben nach Fortschritt. Damit es unseren Kindern und Enkelkindern besser geht als uns. Und allein in den letzten Jahrzehnten haben wir enorm viel erreicht – auch dank der Arbeit von Professor Schwartz und vielen anderen.

Die Müttersterblichkeit ist gesunken - um 40 % zwischen 2000 und 2023. Die Sterblichkeit von Kindern unter 5 Jahren hat sich in diesem Zeitraum halbiert. Die Pocken wurden ausgerottet. Es gibt Impfstoffe gegen mehr als 30 lebensbedrohliche Krankheiten. Impfungen haben laut WHO in den letzten 50 Jahren mehr als 150 Millionen Leben gerettet. Diese Zahlen geben Zuversicht, und auf diese Erfolge können wir stolz sein. Aber dieser Wille zum Besseren wird gerade stark strapaziert. Die Welt ist, das spüren wir alle, in Unordnung geraten. Kriege und geopolitische Instabilität verbreiten Hunger und Krankheiten. Klimawandel und Umweltzerstörung erhöhen das Risiko einer weiteren globalen Pandemie. Hilfsprogramme und Impfprogramme weltweit werden von einem Tag auf den anderen gestrichen oder zurückgefahren. Desinformation gefährdet den globalen Fortschritt bei der Bekämpfung von Seuchen wie Masern oder Polio.

Wir müssen deshalb ernsthaft fürchten, dass das, was Menschen mühsam an Erfolgen errungen haben, zurückgedreht wird. Dabei müssen wir doch vermeidbare Krankheiten vermeiden. Tragödien, die wir verhindern können, verhindern. So einfach ist es doch. Und doch so schwer. Denn das, was uns allen hier im Saal so selbstverständlich erscheint, ist es nicht mehr. Wir müssen hart darum ringen, den Fortschritt zu wahren. Und die grundlegenden Annahmen, von denen wir wissen, dass sie wahr sind, können wir nicht ohne weiteres mehr referenzieren. Wir müssen sie schützen.

Meine Damen und Herren,

Was wohl Professor Schwartz heute dazu sagen würde? Ich denke, dass er vier Dinge herausstreichen würde, die wichtig sind. Vier Säulen, die wir stärken müssen, damit sie uns weiterhin tragen. Die erste Säule ist globale Verantwortung. Die zweite: Weitblick. Die dritte: Innovationskraft. Und die vierte ist Vertrauen.

Zur ersten Säule: Wir müssen Gesundheit global betrachten. Denn wer heute die Menschen im eigenen Land schützen will, muss seiner globalen Verantwortung gerecht werden – mehr denn je. COVID-19 hat uns das schmerzhaft vor Augen geführt. Ich war gut 100 Tage als Kommissionspräsidentin im Amt, als die WHO COVID-19 zur globalen Pandemie erklärt hat. Es war die erste globale Gesundheitskrise dieser Größenordnung in einer eng vernetzten Welt. Nie zuvor haben wir so massiv erlebt, dass etwas, was tausende von Kilometern entfernt geschieht, unser eigenes Leben so schnell, so unmittelbar und so umfassend beeinflusst. Jeden und jede von uns.

Aber erinnern Sie sich noch an die ersten Wochen der Pandemie? Als einzelne EU-Mitgliedstaaten um Atemschutzmasken, Handschuhe und Schutzanzüge konkurriert haben? Exportverbote innerhalb der EU ausgesprochen haben? Einfach die Schotten dicht gemacht haben. Wir konnten die Pandemie mit voller Kraft erst bekämpfen, als wir nach und nach diesen Rückfall in Fragmentierung innerhalb Europas überwunden haben. Weil wir Fairness an die Stelle von Egoismus gesetzt haben. Weil wir Impfstoffe auch anderen Teilen der Welt zur Verfügung gestellt haben. Ja, wir waren der einzige Kontinent, der Impfstoffe produziert hat und dabei offen geblieben ist – der durchgehend Exporte in die ganze Welt zugelassen hat. Weil wir über Europas Grenzen hinausgedacht haben.

Die Lehre ist glasklar: Wer heute glaubt, man könne sich in eine nationale Nische zurückziehen und sei so auf der sicheren Seite, der irrt. Kooperation und Solidarität sind Teil des Betriebssystems guter Gesundheitspolitik – und eben keine App, die man nach Belieben vom Bildschirm löscht. Das ist meine Leitschnur. Und das ist Europas Handlungsauftrag.

Wir werden deshalb alles dafür tun, die weltweite Gesundheitsvorsorge zu stärken. Europa und seine Mitgliedstaaten sind schon heute die größten finanziellen Beitragszahler der WHO: Als Team Europe stellen wir in den nächsten drei Jahren gut 680 Millionen EUR bereit. Wir engagieren uns in der Impfallianz GAVI – mit 2 Milliarden EUR. Und nach der Pandemie haben wir den so dringend notwendigen Kampf gegen AIDS, Tuberkulose und Malaria noch mal intensiviert – mit einem Plus von 30 % an EU-Fördermitteln. Zusammen ist Team Europe hier einer der Hauptgeldgeber für den Global Fund mit 4,3 Milliarden EUR.

Europas Rolle ist entscheidend, und deshalb arbeiten wir an einer neuen „Global Health Resilience Initiative“. Um zum Beispiel endlich Polio weltweit vollständig zu besiegen. Dafür müssen wir unsere Anstrengungen besser bündeln. Oder um globale Lieferketten für medizinische Schutzmaßnahmen in Krisenfällen aufrechtzuerhalten. Dazu müssen wir internationale Partnerschaften stärken.

Damit wir aber weltweit resilienter werden, gilt eines: Wir müssen unsere Verantwortung anders definieren als früher. Denn wir haben in der Pandemie gesehen, wie fatal die extreme Abhängigkeit ärmerer Länder von Impfstoffimporten ist. Deshalb müssen wir vom Geber zum Ermöglicher werden – durch Finanzierung, durch Technologietransfer, und durch den Aufbau von Kapazitäten. Damit Länder in Afrika, Asien oder Lateinamerika selbst Impfstoffe entwickeln und produzieren können. Und Medikamente grundsätzlich. Therapeutika. Diagnostika. Medizinprodukte. Das sichert ihnen Zugang und stärkt ihre Unabhängigkeit.

Und genau da setzt unsere groß angelegte Infrastrukturinitiative Global Gateway an: In Ruanda zum Beispiel ist BioNTech dabei, eine Produktion von mRNA-Impfstoffen aufzubauen – mit Unterstützung der EU und Deutschlands. Gleiches in Ghana. Dort errichten wir unter anderem Forschungskapazitäten, und bilden ghanaische Studierende aus. Mit an Bord: die Charité. Und gemeinsam entwickeln Nachwuchsforscher gerade einen Impfstoffkandidaten gegen das Kumasi Rhabdovirus, das in Fledermäusen in Westafrika vorkommt. Ähnliches fördern wir in Nigeria, in Südafrika oder im Senegal, und genauso kooperieren wir mit Lateinamerika. Ja, es ist zwar ein langer Weg, aber es ist in unserem Interesse, ihn zu gehen. Denn es braucht resiliente Regionen, um die globale Gesundheit zu stärken.

Meine Damen und Herren,

die zweite tragende Säule ist Weitblick. Gute Public Health Politik schaut voraus. Heute bedeutet das: Wir müssen uns intensiv auf die zukunftsbestimmenden Verläufe vorbereiten. Dazu gehören ganz besonders der Klimawandel und der Verlust von Natur. Das ist auch eine Mahnung an uns in der Politik. Denn zum einen binden die vielen akuten Krisen enorm viele Kapazitäten. Zum anderen sehen wir, dass langfristiges Denken allzu leicht nur von kurzfristigem Interesse verdrängt wird. Die Evidenz spricht aber eine andere Sprache.

Der Klimawandel und der Verlust der Natur verschärfen die Gefahren für Gesundheit und Sicherheit, und sie werden das Leben der kommenden Generationen stark beeinflussen. Sie tun es ja jetzt schon. Hitzewellen töteten 2022 in Europa über 60 000 Menschen. Krankheitsüberträger wie Tigermücken oder Zecken breiten sich immer weiter aus. Wir sehen inzwischen in Europa Ausbrüche von Dengue-Fieber und dem West-Nil-Virus.

Wem sage ich das. Sie alle hier wissen es. Aber gerade jetzt, da es eine wachsende Tendenz gibt, den Klimawandel auszublenden, ist es so wichtig, diese Tatsachen zu benennen. Niemand kommt an ihnen vorbei. Und so unabdingbar Klima- und Naturschutz sind, so unabdingbar ist eine gute Vorsorge. Die Pandemie hat es uns gelehrt.

Konkrete Bedrohungen müssen wir früh erkennen. Wir müssen Diagnostika, Impfstoffe, Therapeutika und Schutzausrüstungen schnell bereitstellen können. Wir müssen Vorräte für Basismedikamente anlegen. Ich habe zum Beispiel erst in der Pandemie gelernt, dass Paracetamol ausschließlich in Indien hergestellt wird – unser einziger Lieferant. Und als Indien die Schotten dicht gemacht hat, saßen wir da – ohne Paracetamol. Es war mir vorher überhaupt nicht klar gewesen, wie abhängig wir von einem einzigen Lieferanten sind. Vieles davon hat Europa seit der Pandemie auf den Weg gebracht. Wir haben die Gesundheitspolitik ins Herz der europäischen Politik gerückt und eine starke Europäische Gesundheitsunion gebaut. Wir haben HERA gegründet – die Europäische Agentur für Krisenvorsorge und -reaktion bei gesundheitlichen Notlagen. Angelehnt an das US-amerikanische Prinzip der „DARPA for health“. Wir überwachen Abwässer. Wir haben ein Netz von bereitstehenden Impf-Produktionsstätten, die jederzeit skalieren können. Unser Ziel ist es, für neu auftretende potenzielle Krankheitserreger schon nach 100 Tagen einen Impfstoff zu haben – sicher, wirksam und global zugänglich.

Sie wissen aus Ihrem Berufsalltag, dass Krisenvorsorge so schwer ist, weil Erfolge erst in der Zukunft sichtbar werden. Aber gute Vorsorge zahlt sich aus. Auch das hat die Pandemie gezeigt: Europa hat seit Anfang der 2010er Jahre kontinuierlich in Forschung und Entwicklung von mRNA-Technologien investiert. Deshalb konnten so schnell Impfstoffe entwickelt werden. Und wir haben einer neuen Technologie zum Durchbruch verholfen, deren Potenzial enorm ist. Langer Atem lohnt sich.

Meine Damen und Herren,

ich komme zur dritten Säule: Die Kraft der Innovation. Ich habe nie mit Professor Schwarz über künstliche Intelligenz gesprochen – damals war Vieles von dem, was wir erleben, unvorstellbar. Aber ich denke, dass er die technologische Revolution konstruktiv begleiten würde.

KI ist in der EU noch ungleichmäßig verbreitet, und die Umsetzung ist zu langsam. Wir müssen schneller werden. Deshalb haben wir im Oktober eine neue Strategie auf den Weg gebracht. Sie treibt die Anwendung von KI in den Schlüsselindustrien, inklusive Gesundheitswesen, voran. Einige Beispiele: Ein Netzwerk von KI-gestützten Screening Zentren, lässt Krebs und Herz-Kreislauferkrankungen früher erkennen. Richtlinien und Best-Practice-Beispiele für KI im Gesundheitsbereich werden entwickelt. Und wir rufen einen Wettbewerb ins Leben, um mittels KI schneller neue Medikamente gegen Krankheiten zu finden, die selten und schwer zu heilen sind. Auf diese Weise etwa ist ein Pharma-Unternehmen in Spanien gerade dabei, ein neues Medikament gegen die Huntington-Krankheit mittels KI zu entwickeln.

All das müssen wir vorantreiben. Gleichzeitig müssen wir die Prinzipen Sicherheit, Verantwortung und Vertrauen stärken. Dass fundamentale Rechte der Patienten und ihre Daten geschützt bleiben. Wenn Professor Schwartz hier wäre, denke ich, würde er uns eines anmahnen: nämlich dass Innovation muss den Menschen dienen muss, und nicht umgekehrt, und dass Technologie nur so gut ist, wie das Gute, das sie bewirken kann.

Und damit, meine Damen und Herren, bin ich bei der vierten Säule: Vertrauen. Es ist so viel an Fortschritt möglich. Und doch drohen wir, hinter unsere eigenen Erkenntnisse und eigenen Fähigkeiten zurückzufallen. Der Informationsraum ist zum Schlachtfeld geworden. Die Flut von Fehlinformation und Desinformation, von Manipulation und Einflussnahme macht vor der Gesundheit der Menschen nicht halt. Zweifel an medizinischen Erkenntnissen und Errungenschaften werden rasend schnell verbreitet, Ängste vor Krankheiten geschürt. Während der Pandemie streuten zum Beispiel russische Netzwerke blanke Lügen über die Covid-Impfstoffe aus dem Westen. Die Akteure sind vielfältig. Oft genug ist nicht klar, woher sie kommen. Aber das Ziel ist immer dasselbe. Verunsicherung schaffen und Gesellschaften spalten. Es entsteht eine extrem toxische Mischung aus Desinformation, Manipulation und Polarisierung. Sie zersetzt eine der wertvollsten Säulen, die wir haben: Vertrauen.

Diese vierte Säule würde Professor Schwartz heute umtreiben. Er würde uns ermutigen, auf Evidenz zu pochen, gegen Desinformation zu kämpfen. Denn Professor Schwartz hat immer leidenschaftlich dafür gestritten, dass Gesundheitsförderung und Prävention evidenzbasiert sind. Dass wissenschaftliche Standards der Maßstab sind. Für ihn, den Begründer der ersten Patientenuniversität, war gute Information entscheidend. Damit Patienten autonom und auf der Basis von Wissen Entscheidungen treffen können. Es ist deshalb eine unserer wichtigsten Aufgaben, Vertrauen zu stärken – in die Institutionen, in die Wissenschaft.

Nehmen Sie den Kampf gegen Krebs. Immer wieder werden Ängste vor HPV-Impfungen geschürt. Durch KI-generierte Fake-Videos. Oder social Media Posts von Ärzten, die vor angeblich schweren Folgen der Impfung warnen. Aber wir können und müssen dagegen angehen. Schauen wir nach Irland. Die Impfraten dort gingen vor einigen Jahren massiv zurück, weil systematisch Falschinformationen verbreitet wurden. Aber in einer großen gemeinsamen Kraftanstrengung hat Irland das Ruder herumgerissen. Staatliche Institutionen klärten auf. Experten nahmen sich Zeit für Eltern. Eine junge Frau, die unter Gebärmutterhalskrebs litt, warb mit all ihrer Kraft über Social Media für die Impfung. Heute sind 84 % der Mädchen unter 15 geimpft. Ähnliche Erfolge gibt es in den Niederlanden oder in Dänemark.

Und auch als EU kämpfen wir um Vertrauen. Drei Schritte sind entscheidend. Erstens: vor die Welle kommen. Wir müssen mögliche Falschinformationskampagnen im Netz entdecken, bevor sie zur Welle werden. Damit Menschen die Fakten kennen – zum Beispiel über Impfstoffe und Nebenwirkungen. Zweitens: schnell handeln. Dafür bringen wir unabhängige Faktenprüfer und Expertinnen zusammen, die Lügen und Manipulation entlarven. Und wir stellen zuverlässige Informationen bereit. Drittens: Kompetenzen stärken. Menschen sollten irreführende Informationen selbst erkennen können. Wir nutzen deshalb all unsere Kanäle, damit sie die nötigen Kenntnisse entwickeln. Gerade Gesundheitsfachkräfte und Lehrende können Desinformation wirksam entgegentreten.

Ja, wir müssen hartnäckig sein. Wir müssen bei Rückschlägen weitermachen. Aber wenn wir das tun, können wir erfolgreich sein. In diesem Kampf um Wahrheit – und genauso im Kampf um den Fortschritt. Den Fortschritt, für den Menschen wie Professor Schwartz immer gearbeitet haben. Lassen Sie uns deshalb die Säulen guter Public Health Politik erneuern. Dann können wir Angriffe abwehren. Dann können wir Probleme lösen. Ich bin voller Zuversicht, dass es gelingen kann.

Meine Damen und Herren,

ein Letztes noch: Vor einem halben Jahr habe ich in diesem Saal über die Bedrohung der Wissenschaftsfreiheit gesprochen. Jeder kann sehen, dass der Feldzug gegen eine freie Wissenschaft weitergeht. Aber wir sehen auch etwas anderes: Unsere Wissenschaftsfreiheit macht Europa zum Magneten. Als ich im Mai hier war, habe ich von einer neuen europäischen Initiative berichtet: Choose Europe. Damit Forscherinnen und Wissenschaftler bei uns ein Zuhause finden. Der Erfolg spricht für sich. Wir sehen einen Run auf Postdoktorandenstipendien: Die Bewerbungen sind um 64 % gestiegen auf mehr als 17 000. Auch bei den Nachwuchsforschern der Spitzenklasse, zeigt Europa seine Magnetkraft: Hier gibt es ein Plus an Bewerbungen von 22 % im Vergleich zum letzten Jahr, mit einem Rekord von 4807 Vorschlägen. Fast 1350 davon kamen von außerhalb der Europäischen Union. Ein bemerkenswerter Anstieg um 55 %. Und bei der Förderung für etablierte Spitzenforscher, die Advanced Grants, ist der Trend ähnlich: Die Bewerbungen aus dem nicht europäischen Ausland haben sich nahezu vervierfacht.

Diese Zahlen sind ein Zeichen der Hoffnung: Die Europäische Union hat immer die Wissenschafts-Freiheit verteidigt. Es ist diese Freiheit, die Innovation vorantreibt. Es ist diese Wissenschaftsfreiheit, die Politikerinnen und Politikern ermöglicht, gute Entscheidungen zu treffen. Und wenn wir die Säulen der globalen Verantwortung, des Weitblicks der Innovationskraft und der Vertrauenswürdigkeit weiterhin stärken, dann ist mir um die Zukunft nicht bange.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.